DER BIBLIOTHEKSSAAL

Im zweiten Obergeschoss der Stadtbibliothek lag ein über die gesamte Gebäudedimension reichender Saal, der vom Typus einer Antikengalerie ähnelte.  Er war von einer hölzernen Kassettendecke  überfangen. Seitlich waren zwischen den Fenstern die Bücherregale aufgestellt. In Schränken und auf Tischen wurden weitere Utensilien aufbewahrt. 

Nicht so prächtig aber dennoch ähnlich wie der 'Spanische Saal' sah der Bibliothekssaal in Augsburg aus.

Quelle: Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Graph 23/38,2

Die Bücher- und Grafiksammlung aus der alten Stadtbibliothek wird zum Großteil in der Staats- und Stadtbibliothek bewahrt. 

Neben der Büchersammlung wurden in der Stadtbibliothek auch wissenschaftliche Instrumente und Modelle präsentiert. Auf dem oben abgebildeten Kupferstich  von Andreas Geyer scheint zudem die Bronzefigur des Neptunbrunnens zu sehen zu sein.

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 Paul von Stetten, ein Augsburger Patrizier und Chronist, beschrieb 1788  die Bibliothek so:

 

'Die Stadt selbst hat eine alte ziemlich zahlreiche Bücher-Sammlung in einem ansehnlichen Gebäude

bey dem evangelischen Gymnasium bey St. Anna, dessen Rector zugleich Bibliothecarius ist, und so wie die Bibliotheck selbst unter einer eigenen Raths-Deputation stehet. Sie hat einen kostbaren Vorrath von alten griechischen und lateinischen Handschriften und seltenen Werken vom ersten Druck, auch, ob schon mit manchen Lücken, schätzbare Schriften aus allen Wissenschaften. (...)

Außer dem Bücher-Vorrath in der Stadt-Bibliothek (...), sind in dem ansehnlichen Saale darinn er aufgestellte ist, auch verschiedene Kunstarbeiten.

An mathematischen und physikalischen Instrumenten.

1. Eine große Sphära armillaris von Christoph Schißler.

2. Ein Sonnen-Ring von Brandern.

3. und 4. ein Globus cölestis und terrestrisch von Blaeu.

An architect(onischen) Modellen.

1. das Modell der ganzen Stadt von Hans Rogel un Holz geschnitzt 1563.

2 Ein mehr zierlich als richtiges Modell des heiligen Grab-Tempels zu Jerusalem.

An Gemälden.

1. Die Bilder der vornehmsten Kirchenväter von einem unbekannten. Domin(ikus) Custos hat sie in Kupfer gestochen herausgegeben.

2. Porträte verschiedener hiesiger Gelehrten, darunter sich Conrad Peutingers von Christoph Ambergern vermutlich gemaltes, vorzüglich ausnimmt.

An Zeichnungen und Kupferstichen ist merkwürdig.

1. Der große Grundriss der Stadt, mit vier beigefügten Prospecten einiger Gebäude und Straßen von Joh(Ann) Uhr(ich) Kraußen. Letztere hat derselbe in Kupfer gestochen.

2. Die Sammlung von Kupferstichen hiesiger Künstler. Darunter sind alle Arbeiten der Kiliane, in etlichen Bänden zusammen getragen, aus Verlassenschaft des seel(gen) Georg Christoph Kilians.

Eine große Anzahl von dem älteren Joh(ann)  Daniel Herz, von Joh(ann) El(ias) Riedingern, Joh(ann) Jac(ob) und Herr Joh(ann) Elias Haid, von den Herren Klaubern und verschiedenen andern, der größere Kunstwerke nicht zu gedenken. 

Das steinerne Monument, aus dem Jahr 1782 vorgefallenen Besuch der Stadt-Bibliothek von dem durchreisenden Papst Pius dem VI. ist im Jahre 1786 errichtet worden.'

Das von Paul von Stetten genannte Stadtmodel von Hans Rogel (um 1520-1592/93) zählt zu heute zu den Prunkstücken im Maximilianmuseum. 

Das Bildnis Konrad Peutingers wird dagegen heute in der Staatsgalerie Altdeutsche Malerei präsentiert. 

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